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Social Media einfach mal erfolgreich

Ihr kennt das sicher auch, entweder aus der eignen leidvollen Erfahrung heraus oder ihr musstet es Euch ansehen. Gescheiterte, verwaiste Social Media-Accounts von Unternehmen, die Bauruinen des Internets. Um selbst einen erfolgreichen Social Media-Auftritt hinzulegen, müssen wir uns zunächst genau mit diesen Ruinen beschäftigen und hinterfragen, was bei den verwaisten Accounts eigentlich schief gelaufen ist.

Einer der Hauptgründe. Den Autoren ist schlichtweg der Stoff ausgegangen. Schaue ich mir diese Art der Accounts an, dann sehe ich meist nur Posts, Videos und Artikel, die sich ausschließlich um das eigene Unternehmen, die eigenen Produkte und Dienstleistungen drehen. Vielleicht ist noch ein Foto von der letzten Weihnachtsfeier dabei und Schluss ist. Letztes Datum so um den 29. Dezember 2017.

Wenn ich jedoch nur über das eigene Unternehmen berichte, dann stehe ich vor zwei ernsthaften Problemen.

  1. Schon nach relativ kurzer Zeit weiß ich nicht mehr, worüber ich noch schreiben soll, wenn schon alles über das Unternehmen gesagt wurde und die nächste Veranstaltung erst in 2 Monaten beginnt.
  2. Mein Social Media-Auftritt ist stinklangweilig und interessiert niemanden wirklich. Denn mal im Ernst, sollte ich wirklich denken, dass meine Kunden das gleich hohe Interesse an meinem Unternehmen haben wie ich? Das halte ich für unwahrscheinlich.

Nachdem diese beiden Punkte abgearbeitet sind, kommen viele Unternehmenslenker zu dem Schluss, dass dieses ganze Social Media Zeugs eh keinen Sinn ergibt.

Warum gibt es nun aber trotzdem Unternehmen, die ein sehr erfolgreiches Marketing im Social Media-Bereich absolvieren?

Diese Unternehmen sehen Social Media weniger als Verkaufskanal, sondern viel mehr als Informations- und/oder Unterhaltungssender. Sie nutzen weitreichende Themenwelten rund um ihre Produkte und Dienstleistungen. Einen guten Social Media Kanal müsst ihr euch wie einen privaten Fernsehsender vorstellen.

Sender wie RTL oder die Pro7-Gruppe bieten uns jede Menge Unterhaltung und auch ein paar Informationen. Der Sinn dieses Handelns ist es jedoch, Werbung zu senden, um den Sender zu finanzieren. Nun könnte RTL auch auf die Idee kommen, nur noch Werbung zu senden, um so die Werbeeinnahmen zu steigern. Problem, niemand möchte nur Werbung sehen und somit werden die Zuschauerzahlen rapide sinken. Der Sender verliert seine Finanzierungsgrundlage.

Das gleiche gilt für Social Media-Kanäle. Stellt Euch vor, ihr müsst den Facebook-Auftritt eines Herstellers für dekorative Kosmetik betreuen. Wenn ihr Euch am gesamten Angebot abgearbeitet habt, geht ihr zu den Events und den Mitarbeitern über. Spätestens wenn ihr am Kantinenessen angelangt seid, geht Euch der Stoff aus und ehrlich gesagt es interessiert auch niemanden.

Schafft ihr hingegen Themenwelten, die auch interessant für Eure Zielgruppe sind, wie beispielsweise Beauty im Allgemeinen, Pflege, Mode und Gesundheit könnt Ihr aus dem Vollen schöpfen und Ihr bietet Eurer Zielgruppe Content, der sie auch interessiert. Eure eigenen Produkte bringt ihr dann zwischendurch ebenfalls mit ein und berichtet zum Beispiel über Eure neue Eyeliner-Kollektion, die perfekt zu den momentanen Modefarben passt, die ihr im Post davor beschrieben habt. Es geht also darum, Content anzubieten, der weit über das eigene Unternehmen und die eigenen Angebote hinaus geht. Content, für den sich Eure Zielgruppe wirklich interessiert und Eure eigenen Produkte, Dienstleistungen und Unternehmensnachrichten blendet ihr geschickt zwischendrin mit ein.

Nun könntet ihr sagen, es gibt doch auch reine Verkaufssender, wie QVC oder HSE24 und die machen erfolgreich Werbung rund um die Uhr. Richtig, aber sie haben sich auf die breite Themenwelt „Verkaufen“ spezialisiert. Als spezielle Form eines Social Media-Auftrittes könntet Ihr das natürlich auch machen. Dafür solltet Ihr aber im Bereich Handel tätig sein und die Möglichkeit haben, immer wieder sensationelle und neue Angebote in Euer Portfolio aufnehmen zu können. Vorausgesetzt natürlich, dass sich Eure Zielgruppe dafür auch interessiert.

Der zweite Grund für das Scheitern vieler Social Media-Unternehmens-Accounts ist die fehlende Unterstützung innerhalb des Unternehmens. Social Media als Marketinginstrument ist sehr arbeitsintensiv. Wenn von den Mitarbeitern verlangt wird, dass sie das mal so eben neben dem Daily Business machen sollen, dann ist das Scheitern vorprogrammiert.

Hinzu kommt, dass allein die Erfahrung mit einem eigenen privaten Facebook-Account noch keinen guten Social Media Manager hervorgebracht hat. In diesem Fall muss in die Weiterbildung der Mitarbeiter investiert werden oder entsprechend kompetentes Personal zusätzlich eingestellt bzw. Externe beauftragt werden.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass viele Entscheider erwarten, dass Social Media-Aktivitäten schon nach den ersten Wochen signifikante Erfolge erzielen. Diese Erwartungen werden jedoch in den meisten Fällen enttäuscht. Ein durchschnittlicher Social Media-Auftritt benötigt bis zu sechs Monate, bis er sich etabliert hat und sich die ersten Erfolge abzeichnen. Social Media ist somit ein Marketinginstrument für langfristige Ziele.

Erst wenn die beschriebenen Tatsachen in der Geschäftsleitung und Personalabteilung angekommen sind und von diesen auch entsprechend mitgetragen werden, macht ein Social Media-Account als Marketinginstrument Sinn.

Ein weiterer wesentlicher Faktor für einen erfolgreichen Social Media-Auftritt ist die Wahl der richtigen Plattformen. Es klingt zwar profan, aber immer wieder ist zu sehen, dass Plattformen ausgewählt werden, die sich weniger an der Zielgruppe orientieren, sondern mehr an den Interessen und Neigungen des Administrators.

Neben Facebook, Instagram und YouTube gibt es ein ganzes Universum an weiteren Social Media Plattformen. Einen guten Überblick liefert das Social Media Prisma von ethority, das jeder leicht googeln kann. Bei der Auswahl der richtigen Plattform, gilt es in erster Linie zu beachten, auf welchen Plattformen sich Eure Zielgruppe rumtreibt, denn die wollt Ihr ja schließlich erreichen.

So, und nun eine kurze Zusammenfassung, was einen erfolgreichen Social Media-Auftritt eigentlich ausmacht.

  • Ein breites Themenspektrum, das sich nicht nur mit den eigenen Unternehmensleistungen beschäftigt.
  • Kompetenz im Umgang mit den sozialen Medien.
  • Eine realistische Ressourcenplanung inklusive einer realistischen Zeiteinschätzung.
  • Die Auswahl der richtigen Social Media-Plattformen.

Wer diese vier Komponenten berücksichtigt, hat ein gutes Fundament für einen erfolgreichen Social Media-Auftritt gelegt.

Ein Artikel von Michael Mertinat

www.mertinat.de

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