Die eigene Website, aber welche Software?


Zu Beginn gleich eine kleine Ernüchterung. Es gibt nicht die eine Software, die für alle genau die richtige Lösung ist und außerdem, auch wenn wir von Open Source reden, so wirklich kostenlos ist das Betreiben einer professionellen Website nie.


Die meisten Websites werden heute mit einem CMS, einem Content Management System, erstellt. Diese Systeme erleichtern das Bauen einer eigenen Website ungemein. Trotzdem gibt es vom Aufwand und vom Schwierigkeitsgrad her Unterschiede.


Grundsätzlich können wir gleich zu Beginn unseres Entscheidungsprozesses zwei sehr unterschiedliche Wege einschlagen.


  • Wir können ein Baukastensystem nutzen, um dann vorwiegend direkt in der Cloud zu arbeiten. Natürlich besteht die Cloud auch aus Servern, aber wir nutzen dort keinen eigenen spezifischen Platz.

  • Wir arbeiten mit einem CMS und mieten uns bei einem Provider einen Platz auf dessen Server an. Wir erstellen die Website auf dem eigenen PC, um dann die Inhalte auf den Server zu laden.


Baukastensysteme


Bekannte Anbieter von Baukastensystemen sind Jimdo, WIX, Squarespace oder WordPress (in diesem Fall WordPress.com). Hier arbeiten wir in der Regel online. Der größte Vorteil bei diesen Systemen ist die Einfachheit der Handhabung. Jeder kann mit diesen Systemen eine Website bauen, technisch gesehen.

Ob die Website dann aber auch gut aussieht, hängt von den eigenen gestalterischen Fähigkeiten ab. Das gilt ebenfalls für die Usability einer Website. Zwar können wir unterschiedliche Templates bzw. Themes auswählen, die bereits über ein vorgefertigtes Design verfügen, aber trotzdem müssen die Anwender den Content noch entsprechend integrieren.


Wo Licht ist, ist meist auch Schatten.


Die zwei wesentlichen Nachteile der Baukastensysteme:


  1. Wir sind in unseren Möglichkeiten eingeschränkt und es könnte sein, dass wir das System an seine Grenzen bringen und uns so mit weniger begnügen müssen.

  2. Wir können mit unserer Website nicht einfach umziehen, sondern befinden uns in Abhängigkeit zum Anbieter. Wollen wir trotzdem den Anbieter wechseln, müssen wir die Website neu aufbauen und verlieren auch unser SEO-Ranking.

Trotzdem kann es gute Gründe geben, sich für ein Baukastensystem zu entscheiden. Gerade kleine Unternehmen wie Handwerksbetriebe, Coaches oder Freelancer brauchen häufig keine technisch aufwendige Website. Hier kommt es vielmehr auf eine preiswerte und schnelle Lösung an und das bieten die Baukastensysteme. Hinzu kommt, dass hier auch schnell mal selbst Content hinzugefügt oder gewechselt werden kann. Eine Website, auf der zwei Jahre nichts passiert, ist langweilig und meist auch vom Inhalt her veraltet. Dieser Fakt ist auch SEO-relevant, denn Google rankt Seiten mit viel Traffic besser, insbesondere wenn sie regelmäßig aktualisiert werden. Zwar bieten uns die Baukastensysteme nur eingeschränkte Möglichkeiten, um die Suchmaschinenoptimierung durchzuführen, jedoch sind Traffic und ein häufiger Wechsel der Inhalte, wesentliche Kriterien für Suchmaschinen, die das Ranking verbessern.


Die Kosten der Baukastensysteme sind überschaubar. Einen Überblick bieten die Websites der Anbieter. Alle Anbieter der Baukastensysteme bieten einen Freemium-Bereich. Theoretisch kann man sich darüber eine kostenlose Website aufbauen. Allerdings sind die Möglichkeiten eingeschränkt, wir müssen uns mit Werbung abfinden und der größte Nachteil, wir können keine persönliche Domain nutzen. Die URL beinhaltet immer den Namen des Anbieters. Für eine professionelle Website kommt somit nur die Bezahlvariante in Frage. Allerdings können wir über den Freemium-Bereich den Anbieter testen und mal kostenlos ausprobieren, ob uns die Software gefällt. In Deutschland muss die eigene Domain allerdings schon vorhanden sein, also bei einem deutschen Hoster gebucht werden. Auch wenn diese zusätzlichen Kosten gering sind, müssen sie berücksichtigt werden.


Eine kleine Anmerkung: WordPress bietet beide Varianten an. Ein cloudbasiertes Baukastensystem unter www.wordpress.com und das klassische CMS unter www.wordpress.org.


Ein eigenes CMS auf dem Server


Gängige Open Source CMS sind beispielsweise WordPress (WordPress.org), Joomla, TYPO3 und Drupal. Für diese Content Management Systeme benötigen wir einen Host bzw. Provider, wie beispielsweise 1&1, HostEurope, Strato oder wenn wir mehr Profi-Power benötigen, Anbieter wie Raidboxes (spezialisiert auf WordPress und WooCommerce) oder Hetzner.


Wie schon oben gesagt, auch wenn wir mit Open Source Software arbeiten, ist die Sache nie ganz kostenlos. Wir benötigen hier ein Hosting-Paket, das je nach Traffic und Umfang meiner Website auch über die entsprechende Performance verfügen muss. Es ist selbsterklärend, dass Billigangebote nicht die gleiche Leistung bieten. Selbstverständlich benötigen wir auch hier eine Domain.

Mit einem dieser CMS ist es ähnlich, wie mit der besseren Spiegelreflexkamera. Wir können zwar einige Automatikfunktionen nutzen, wir können aber auch viele manuelle Einstellungen vornehmen, was wiederum unseren Spielraum ungemein erhöht, vorausgesetzt, wir wissen, wie es geht.

Intellektuell wird zwar niemand mit dem Aufbau der Website überfordert sein, es ist vielmehr eine Zeitfrage. Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, das Erstellen und Betreuen der Website an eine Freelancer:in oder eine Agentur auszulagern.


In der Regel verwenden wir ein vorgefertigtes Theme oder Template. Es gibt im Netz zwar auch kostenlose Themes, aber die besten Themes/Templates finden wir unter den kostenpflichtigen Varianten. Die Qualitätsunterschiede sind groß und man sollte sich bei der Auswahl Zeit lassen und recherchieren. Erfüllt das Template meine Anforderungen und was für Meinungen und Erfahrungen wurden darüber bereits geschrieben? Das richtige Template ist dann schon mal ein großer Schritt nach vorne.

Für bestimmte Anforderungen gibt es PlugIns. Das sind Softwarekomponenten, mit denen ich den Funktionsumfang erweitern kann, um spezielle Anforderungen zu erfüllen. Viele PlugIns sind kostenpflichtig und auch hier ist es wichtig, sich über die Qualität der Software sachkundig zu machen, denn schlecht programmierte Plugins können für jede Menge Ärger sorgen.


Fazit

Um alles nochmal kurz auf den Punkt zu bringen: Ein eigenes CMS kann mehr als ein Baukastensystem und es bietet mir mehr Freiheiten, denn ich kann damit relativ problemlos zu einem anderen Hoster umziehen. Es stellt aber auch höhere Anforderungen an den Anwender und rechnen wir den Zeitfaktor mit ein, ist es letztendlich auch teurer als ein Baukastensystem. Es ist somit eine Fall zu Fall-Entscheidung.